Nigrini beginnt:
„Das Haus 125 an der Bachstraße (IGS 1835 Soli Deo Gloria) ist wohl eines der
interessantesten Häuser von Rodewisch. Der Erbauer desselben war der 1798 geborene
Gottlob Schaarschmidt. Der Volksmund hatte sich´s leicht gemacht. Er nannte ihn kurz
Schaarlob, vielleicht zum Unterschied von einem Verwanden, dem Schaarhans. Schaarlob
hatte als Schmied gelernt, betrieb aber nachher dem Zuge der Zeit folgend den Handel mit
Klöppelspitzen. Sein Feld war das Reußenland und Bayern. Da kam des Jahr 1830
heran mit einer Krise, die alles Geschäftsleben zu Erliegen brachte. Der damalige König,
Anton der Gütige, und seine Ständekammern waren sehr bemüht, die Not vom Volke
abzuhalten. Die Frohnbauern begehrten auf, von ihren Arbeitslasten befreit zu werden. Man
schuf das Rentengesetz, welches die Verpflichtungen der Bauern gegen ihre Gutsherren in
eine jährliche Geldabgabe verwandelte, denn die Bauernfelder konnte vorher nur als große
Nebensache behandelt werden. 50 Jahre bestand das Gesetz. Von Seiten der Ständekammern
wurde der Straßenbau gefördert, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. Der Straßenzug Oelsnitz-
Schneeberg wurde begonnen (Fertigstellung 1842 – Zeittafel Wernesgrün Fam. Spitzner). So
nahm sich unser Gottlob Schaarschmidt vor, an dieser Straße seßhaft zu werden.“ Bereits im
Jahre 1818 erwarb Johann Gottlob Schaarschmidt ein Grundstück (mit kleinem Häuschen) an
der Bachstraße 125 auf der Parzelle Nr. 392a und am Rebesbrunner Weg gelegen, von einem
David Panzert.
Er „begann, in den angrenzenden Felsen einen Keller zu graben. Diese Arbeiten erledigte er
selbst mit seinen Kindern.
Dieser Keller kam später dem Bierschank sehr zum Nutzen, denn es entstand 1835 die
altbewährte Gaststätte „Zur Lärche“……..“ (soweit ein Auszug von Nigrini)
Ansicht vor 1993
Zur wechselvollen Geschichte dieser “Lärche“ gehört der Umbau und die Umnutzung zu
einer Bäckerei etwa um 1906, welche auch die Heilanstalt in Rodewisch Untergöltzsch mit
Brot und Brötchen versorgte. Im Adressbuch Rodewisch von 1944 wird eine Witwe Tunger,
Frida, Bäckerei geführt, was eine aktive Bäckerei selbst im II. Weltkrieg vermuten läßt.
In den 1980er Jahren wurde das Gebäude nach dem Tod des letzten Bewohners für kurze Zeit
sogar als SERO Annahmestelle genutzt, worüber Zeitzeugen berichten und auch das blaue
Werbeschild an der Nebentür in einer Ansicht aus dem Jahre 1993 Auskunft erteilt.
Schon zu diesem Zeitpunkt war die alte „Lärche“ in keinem guten baulichen Zustand.
Nach 1990 kaufte ein Bauunternehmer aus Auerbach das denkmalgeschützte und sehr
heruntergekommene Haus und legte mit der Dach- und Fassadensanierung die Grundlage für
dessen Erhaltung. Die Fortschreibung der Sanierung wurde aber Ende der 1990er Jahre
eingestellt und die weitere Entwicklung blieb vorerst offen.
Ansicht Giebelseite vor 1993
Aus einer Laune heraus und dem Gedanken ein so altes, stattliches Gebäude nicht verfallen
lassen zu können, wurde Olaf Steinbach Ende 2012 der Besitzer dieses Hauses und saniert es
seitdem mit viel Ausdauer und Liebe zum Detail.
Alle Fenster, die Wasserversorgung, die Entwässerung von Gebäude und Grundstück,
Elektrifizierung, Heizung und Sanitär wurden grundhaft erneuert. Im Außenbereich wurden
schlimme „Schandflecken“ beseitigt, überalterte Bäume gefällt, Gelände gestaltet, Obstbäume
und –sträucher gepflanzt.
Mit fortschreitendem und sichtbarem Erfolg der Bautätigkeit wurde die Idee für das „Projekt
B47“ geboren, um die alte „Lärche“ wieder mit Leben zu erfüllen.
Ansicht Juni 2012
Standen zu Beginn der Überlegungen die Nutzung als Veranstaltungsraum für eigene
Familienfeiern oder als Clubraum für unseren Verein 1.FC Rebesbrunn im Vordergrund,
werden diese Überlegungen heute viel weiter gefasst.
Im Jahr 2018 wurde unser „Carrettino“, eine mobile Speiseeistheke, angeschafft. Ergänzt
durch einen Kaffeeautomaten können seit Mai 2019 für die Wochenenden Erfrischung
und Imbiss angeboten werden. Zusätzlich stehen Clubraum, Küche und Vorplatz der
„Lärche“ für Familienfeierlichkeiten, Klassentreffen, etc. mit bis zu 30 Personen zur Verfügung.
Angedacht ist darüber hinaus, den Clubraum als Veranstaltungsraum für Musikabende,
Buchlesungen und andere Aktivitäten zu nutzen.
B47 im Sommer 2019
Sind die Grundlagen für eine Bewirtschaftung im Erdgeschoss im Groben abgeschlossen,
so müssen Obergeschoss und Dachboden ein wenig auf eine Erschließung warten.
Unser Motto ist es, passend zum Alter des Hauses, so viel als möglich eigene, vorhandene
Ressourcen für den Erhalt und Nutzung der Lärche zu verwenden. Dass schließt Baumaterial,
wie Ziegelsteine, Lehmsteine, Fliesen, Holzbalken, Dielen, Heizkörper, etc.; bei Ausstattung
und Dekoration: Lampen, Möbel, Geschirr und anderes ebenso ein, wie Arbeitskraft, Planung,
Gestaltungsideen und Geld.
Im Obergeschoß sollen künftig Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden, welche das
Angebot für die Vermietung des Clubraumes ergänzen. Hier sind eine Ferienwohnung, ein Kaminzimmer
und einen „roter Salon“ angedacht, wie er von älteren Zeitzeugen erwähnt wurde.
Für den recht großen Dachboden ist geplant zusätzliche Schlafplätze auf Strohsäcken im Pfadfinderambiente,
etwa für Teenies, Jugendliche und Junggebliebene; anzulegen.